Synagogenzentrum Potsdam
Das Synagogen- und Gemeindezentrum Potsdam befindet sich in der Schloßstraße 8, gegenüber dem Marstall. Der Neubau wurde am 11. Juli 2024 eingeweiht. Das Gebäude ist Bestandteil der östlichen Neubebauung zwischen Friedrich-Ebert-Straße und der Straße Am Neuen Markt.
Das Gebäude
Das Synagogenzentrum hat vier Obergeschosse und ist vollständig unterkellert. Das Gebäude ist als Stahlbetonkonstruktion hergestellt. Als Fassadenmaterial wurde sandfarbener Ziegel mit einer entsprechenden Fugenfarbe gewählt. Damit wird einerseits an die lokale brandenburgische Ziegelbauweise angeknüpft und andererseits die weltweite konfessionsübergreifende Bautradition des Sakralbaus mit Ziegeln aufgegriffen.
Im ersten Obergeschoss befindet sich der Synagogenraum, der als Zentralraum angelegt ist. Der dreigeschossige Raum wird über ein Glasdach mit Zenitlicht versorgt und erhält durch das Eichenholz eine warme Atmosphäre. Weitere dekorative Elemente sind die leicht geschwungene Wandoberflächen und die wellenförmig abgehängten Deckensegel aus messingfarbenen Metallgewebe. Zusätzlich bilden sieben Bogenfenster den optischen Rahmen für das religiöse Zentrum des Baus. Um die Bima, das Vorlesepult für die Torarollen, gruppieren sich die festinstallierten Sitzbänke. An der Stirnseite des Raumes befindet sich vor einer ornamental gestalteten Wand der Toraschrein. Integriert in den Synagogenraum ist die Frauenempore, die über das zweite Obergeschoss erschlossen ist. Die Synagoge kann von maximal 199 Personen gleichzeitig genutzt werden (149 Personen im 1. OG und 50 Personen auf der Frauenempore).
Im zweiten und dritten Obergeschoss liegen neben der Frauenempore ein Aktivitätsraum mit integrierter Teeküche, die Bibliothek, der Musikraum, der Kunstraum sowie Büros. Im vierten Obergeschoss ist das Verwaltungszentrum angeordnet. Hier befinden sich weitere Büroräume und ein Besprechungsraum. Auf der Dachterrasse können religiöse Veranstaltungen stattfinden.
Die Eingangssituation wird einladend durch einen zweigeschossigen Bogen gebildet. Dahinter befindet sich die notwendige Sicherheitsschleuse. Ein Foyer schließt sich unmittelbar an. Räumlich verbunden mit dem Foyer ist der multifunktional konzipierte Veranstaltungssaal. Die Veranstaltungsfläche dient einerseits als Besuchercafé, andererseits als Vortragsraum. In räumlich enger Verbindung mit dem Besuchercafé steht die Küche. Sie ist gemäß jüdischer Speisegesetze in getrennte Bereiche für fleischige und milchige Speisen unterteilt. Im Untergeschoss befindet sich die Mikwe mit einem Tauchbad. Die Mikwe wird aus rituellen Gründen mit Regenwasser gespeist, das von der Dachterrasse abgleitet, gefiltert und gechlort wird. Außerdem befinden sich im Untergeschoss der Jugendraum, der Umkleidebereich für die Küche, Räume für die Haustechnik sowie ein Lagerraum. Weiterhin ist hier die zentrale Toilettenanlage und Garderobe der Synagoge.
Das Bauwerk wurde durch den Vorsitzenden der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD), Rabbiner Avichai Apel, eröffnet. Evgueni Kutikow, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam, und Ud Joffe, Vorsitzender der Synagogengemeinde Potsdam, nahmen gemeinsam die Thorarollen aus dem Schrank. Damit fand ein jahrzehntelanger Streit um die Ausgestaltung der Synagoge ein gutes Ende.
Baugeschichte
Das Land Brandenburg und der jüdische Landesverband schlossen 2005 einen Staatsvertrag über den Bau der neuen Synagoge ab. Das Land sagte eine Finanzierung über voraussichtlich drei Millionen Euro zu. Der jüdische Landesverband sollte der Bauherr sein und die Architektur bestimmen.
In einem Wettbewerbsverfahren konnte sich 2008 der Berliner Architekt Jost Haberland durchsetzen. Allerdings war der Entwurf innerhalb der Potsdamer Jüdischen Gemeinde umstritten. 2011 gründete sich darum die Synagogengemeinde, die den Entwurf ablehnte. Die Kritik lautete, der Entwurf sei zu modern und der Innenraum eigne sich nicht für die Gemeindearbeit.
Das Land Brandenburg stoppte daraufhin die Planungen bis 2019. Erst acht Jahre später wurde die Planung wiederaufgenommen. Im Auftrag des Landes wurde die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) neuer Auftraggeber. Die ZWST verhandelte mit den Potsdamer Gemeinden und sorgte für die Überarbeitung des Entwurfs. Die ZWST verhandelte die Interessen der einzelnen Gemeinden und entschied letztlich. Der architektonische Entwurf wurde überarbeitet, sodass sich am Ende alle auf ihn einigen konnten.
Die Nutzer sind: die Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam, die Synagogengemeinde Potsdam sowie die Gemeinde Kehilat Israel. Die Vierte im Bunde, die Gemeinde Adass Israel, ist mit der Jüdischen Gemeinde Potsdam fusioniert.
Die Grundsteinlegung erfolgte 2021, bis 2024 wurden 17 Millionen Euro investiert.
Das Synagogenzentrum Potsdam erhielt den Architekturpreis 2024 vom Bund deutscher Architektinnen und Architekten (BD) in Brandenburg.
Hintergrund
Potsdam war bis 2025 die einzige deutsche Landeshauptstadt ohne eine Synagoge. Die Alte Synagoge Potsdam - neben der Hauptpost am Platz der Einheit - war in der Pogromnacht 1938 stark beschädigt, im Krieg zerbombt und 1957 abgerissen worden. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Wohnhaus. Eine Gedenktafel erinnert an die Pogromnacht.
Für die ersten drei Jahren nach Fertigstellung des Gebäudes hat die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) als Treuhänderin die Trägerschaft des Zentrums übernommen. Danach soll der Landesverband der jüdischen Gemeinden Land Brandenburg als Träger des Synagogenzentrums als Träger fungieren.
Individuelle Besichtigungen können dienstags und donnerstags um 15:30 Uhr hier vereinbart werden. Zu den Gottesdiensten sind Gäste willkommen, dafür ist eine vorherige Anmeldung notwendig.
Weitere Details
Die sieben orthodox geprägten Gemeinden in Brandenburg haben nach eigenen Angaben etwa 1.400 Mitglieder.
Weblinks
- Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V. - weitere Informationen
- Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) - weitere Informationen
- Synagogenzentrum Potsdam – Artikel bei der Wikipedia
- Christine Schmitt: "Ein Haus für alle" In: Jüdische Allgemeine, 11. 7. 2025, Jüdische Allgemeine