Rotes Haus

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Das Rote Haus, im Sommer 2006

Das Rote Haus ist ein Wohnhaus in Fachwerkbauweise und befindet sich am nordwestlichen Ufer des Heiligen Sees im Neuen Garten von Potsdam, nahe dem Kaninchenberg. Das idyllisch gelegene Haus mit der Anschrift „Im Neuen Garten 13“ stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.¹

Geschichte

Das Rote Haus mit seinem in den Hang gebauten Eiskeller gehört zu den ältesten Gebäuden im Neuen Garten. Es war ursprünglich ein von Weinbergen umgebenes Winzerhaus, das 1787/88 von König Friedrich Wilhelm II. samt Grundstück erworben wurde. Bei der Anlage des Neuen Gartens durch Johann August Eyserbeck (1762-1801) wurde das Rote Haus in den Park integriert und aufwendig um- und ausgebaut. So wurde eine Schlafkammer mit Alkoven, flankiert von einer Puderkammer und einer Abseite für den Nachtstuhl, herrschaftlich mit gelben Papiertapeten und einer Kornährenbordüre ausgestattet. Andere Räume bekamen farbige Schmucköfen, die als Hinterlader vom Flur aus zu beheizen waren. Ein Raum mit Ausblick auf den Heiligen See und das Marmorpalais erhielt einen Kamin.

Da das einfach ausgeführte Haus aus der Ferne einen massiven Backsteinbau in holländischem Stil vortäuschen sollte, erhielt es seinen namensgebenden, ziegelroten Fassadenanstrich auf dem neuen Verputz, der nun das ärmliche ockerfarbene Fachwerk überdeckte. Seitdem wird das als „Rotes Haus“ bezeichnete Gebäude als Wohnhaus, zuerst als Sommerhaus für den Geheimen Kämmerer des Königs, Johann Friedrich Ritz, danach im 19. Jahrhundert als Dependance des Marmorpalais zur Unterbringung von Mitgliedern des Hofstaates genutzt.

Unter der Bauleitung von Albert Dietrich Schadow bekam das Haus 1836 sein noch heute erhaltenes, dem Gartengebäude-Style angemessenes, weit überstehendes Dach mit verzierten Sparrenköpfen und farbig gefassten Konsolen. Die ländlich bis regional wirkende Erscheinung des Hauses war als Zierelement des englischen Landschaftsgartens gewollt und wurde mit dem Umbau durch Schadow explizit verstärkt.

Ab dem Jahr 1891 nutzte der damalige Direktor des Hohenzollernmuseums, Paul Seidel, mit seiner Familie das Rote Haus als Sommerhaus. Die Nutzung als Wohn- oder Sommerhaus für Familien wurde auch nach der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918 fortgeführt. Ab dem Jahr 1927 vermietet die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten das Gebäude als Wohnraum. Die Vermietung an Privatpersonen wurde infolge des Zweiten Weltkriegs unterbrochen, da die Gebäude des Neuen Gartens von 1945 bis 1953 sowjetisches Militär beherbergten. Zuletzt bewohnte der Chefrestaurator der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hans-Christian Klenner, davor lebten Prof. Dr. Schmellenmeier (ab 1954) und Oberst von Witzleben (1965-1999) mit Angehörigen im Roten Haus. Seit dem Frühjahr 2018 steht das Haus leer.

Der Weg am Seeufer führt vorbei am Roten Haus über eine kleine Steigung auf den Kaninchenberg. Von hier sind die Villen am östlichen Ufer des Heiligen Sees, in der Berliner Vorstadt, und unter anderem die Turmkuppel vom Oberstufenzentrum Johanna Just zu sehen.

Denkmalwert

Das eingeschossige Gebäude mit weit auskragendem Satteldach ist in seiner exponierten Lage und Orientierung zum Heiligen See weithin sichtbar, prägt die Fernwirkung vieler Blickachsen über den See und ist als Gartenstaffage wichtiger Bestandteil des Bauensembles im Neuen Garten.

Die Parkanlage Neuer Garten ist ein bedeutendes Werk früher landschaftlicher Gartenkunst nach englischen Vorbild in Preußen. Der Neue Garten und das Rote Haus sind historisch untrennbar miteinander verknüpft und stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Innerhalb des Ensembles ist das Rote Haus als Baudenkmal verzeichnet.

Die zahlreichen Zeitschichten zeigen die Geschichte des Hauses und des umgebenden Areals - von einem Winzerhaus zu einem Nebengebäude im königlichen Park. Wechselhafte Zeiten, Kriege und die Sonderstellung eines Wohnhauses als Bestandteil eines touristisch genutzten Parks hinterließen Spuren.

Die wechselhafte Nutzungsgeschichte spiegelt sich in zahlreichen Umbauten zur Anpassung an die jeweiligen Anforderungen und Ausstattung aus verschiedensten Jahrzehnten wider. Zu diesem heterogenen Bild gehören auch die sukzessive nachgerüsteten technischen Anlagen, insbesondere die Heiztechnik mit Öfen und einer zentralen Ölheizung, Sanitäranlagen und Umbauten in der Küche. Die bauliche Substanz zeugt ebenso von repräsentativem Gestaltungswillens wie von Zeiten der Mangelwirtschaft. So finden sich im Giebelbereich und auf den Konsolen die bereits erwähnte ornamentale Bemalung, während einige Türfüllungen nur notdürftig mit Pressspanplatten ausgebessert wurden, die der Witterung nicht ausreichend standhalten.²


Gesamtsanierung 2022-2024

Das Rote Haus nach der Sanierung im Februar 2025

Ziel des Projektes ist die denkmalgerechte Sanierung des Roten Hauses als Wohngebäude mit zugehörigem Eiskeller sowie die Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung. Es sind dabei keine Umnutzungen oder bauliche Erweiterungen an den Gebäuden beabsichtigt. Das Rote Haus soll nach der Sanierung als Wohnhaus mit zwei Wohneinheiten genutzt werden.

Das Rote Haus befindet sich innerhalb der Parkkomposition mit der Lage am Westufer des Heiligen Sees an einem exponierten Standort. Für die gartendenkmalpflegerische Instandsetzung der engeren Gebäudeumgebung ist der Meyer-Plan aus dem Jahr 1846 mit der aus ihm ableitbaren Sichten- und Raum-Struktur das Leitbild.³

Weitere Bilder

Siehe auch

Quellen

  • ¹ Lageplan. Archiviert bei der SPSG, Plankammer, Nr.: 3345, 1770er Jahre
  • ² Technische Universität Berlin, Fachgebiet Historische Bauforschung, Masterstudium Historische Bauforschung und Denkmalpflege, Jahrgang 2018-20: Potsdam, Neuer Garten, Rotes Haus, Jahrgangsprojekt, Berlin 2020
  • ³„Masterplan der SPSG" - Informationen auf dem Bauschild
  • Liste der Baudenkmale in Potsdam/ SPSG; ID-Nr.: 09156103-8
  • „Lebensluft“ für den König - Artikel der PNN vom 17.11.2006
  • „Der Heilige See am Neuen Garten in Potsdam“ Fotografien von Monika Schulz-Fieguth mit einer Legende von Hans-Christian Klenner, Eigenverlag, mit limitierter Auflage, Potsdam 2006
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